Archiv der Kategorie: COPD

Welt-COPD-Tag am 15. November: Rauchen Hauptursache für nicht heilbare chronische Lungenkrankheit

Tue, 14 Nov 2017 12:57:00 GMT

COPD – diese vier Buchstaben stehen für eine chronische Lungenkrankheit (chronic obstructive pulmonary disease). Sie stehen gleichzeitig auch für die weltweite Nummer Drei unter den Todesursachen. Bei 90 Prozent aller Fälle hierzulande ist die Hauptursache ziemlich klar bestimmt: das Rauchen. Zum Welt-COPD-Tag am 15. November weist Prof. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL), auf unangenehme Wahrheiten rund um diese Krankheit hin: „COPD verkürzt die Lebenserwartung. Es ist nicht heilbar.“

http://idw-online.de/de/news684582

Zigarettenrauch bremst Selbstheilung der Lunge

Der Qualm von Zigaretten blockiert Selbstheilungsprozesse in der Lunge und kann so zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) führen. Das berichten Forscherinnen und Forscher des Helmholtz Zentrums München, Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL), gemeinsam mit internationalen Kollegen im ‚American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine‘.
Husten, Bronchitis und Atembeschwerden – das sind die typischen Anzeichen von COPD. Exakte Zahlen gibt es nicht, aber Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland zehn bis zwölf Prozent der Erwachsenen über 40 Jahren darunter leiden. Die durch die Krankheit verursachten volkswirtschaftlichen Gesamtkosten schätzen Experten auf jährlich fast sechs Milliarden Euro.* Weltweit versuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herauszufinden, wie die Krankheit entsteht und an welchen biologischen Stellschrauben sie sich aufhalten lässt.
Ein Ansatz dabei ist die natürliche Selbstheilung der Lunge, die bei COPD nicht mehr stattfindet. „In gesunden Patienten sorgt der sogenannte Wnt/Beta-Catenin Signalweg für die natürliche Selbsterhaltung Lunge. Warum er im Falle einer COPD blockiert wird, war bisher unklar“, erklärt Dr. Dr. Melanie Königshoff, Leiterin der Abteilung Lungenreparatur und Regeneration (LRR) des Comprehensive Pneumology Centers (CPC) am Helmholtz Zentrum München. Dieser Frage gingen sie und ihr Team in den letzten Jahren im Rahmen eines ERC Starting Grant nach und fanden nun heraus, dass das Molekül Frizzled-4 dabei eine wichtige Rolle spielt.
„Frizzled-4 ist ein sogenannter Rezeptor und sitzt auf der Oberfläche von Lungenzellen, wo er deren Selbsterneuerung über Wnt/Beta-Catenin steuert“, beschreibt Erstautorin Wioletta Skronska-Wasek, Doktorandin am LRR. „Werden die Zellen aber Zigarettenrauch ausgesetzt, verschwindet Frizzled-4 von der Oberfläche und das Zellwachstum kommt zum Erliegen.“

Umkehr in Zellkultur erfolgreich

Ausgangspunkt der aktuellen Studie waren Beobachtungen des Teams, wonach Frizzled-4 im Lungengewebe von COPD Patienten und im Speziellen von Rauchern deutlich seltener vorkam als bei Nicht-Rauchern. „Im nächsten Schritt konnten wir in Zellkultur und im Modellsystem nachweisen, dass Zigarettenrauch sowie die pharmakologische Blockade von Frizzled-4 in Lungenzellen zu einer reduzierten Wnt/Beta-Catenin Aktivität führte und so zu weniger Wundheilungs- und Reparaturkapazitäten“, beschreibt Dr. Ali Önder Yildirim die Ergebnisse. Er ist Gruppenleiter am Institut für Lungenbiologie des CPC und ebenfalls an der Studie beteiligt. Zudem stellten die Autoren fest, dass ohne den Rezeptor bestimmte Proteine verloren gingen, die wichtig für die Elastizität der Lunge sind (darunter Elastin, Fibulin und IGF1).
Um ihre Ergebnisse im Umkehrschluss zu überprüfen, steigerten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Zellkulturversuch künstlich die Frizzled-4 Produktion beziehungsweise verwendeten einen Wirkstoff, um dessen Produktion anzuregen. Dadurch ließ sich der blockierte Signalweg reaktivieren und die vorher verminderten Proteine wurden wieder produziert.
„Die Aktivierung des Rezeptors kann zu einer Wiederherstellung des Wnt/Beta-Catenin Signalwegs und damit zur Reparatur in der Lunge führen“, so Melanie Königshoff. Das sei ein guter Ansatzpunkt für weitere Forschungsarbeiten und künftige Therapien bei COPD.**
Weitere Informationen
* Quelle: http://www.lungeninformationsdienst.de
** Die Abteilung von Melanie Königshoff ist Teil des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). Seit Ende vergangenen Jahres baut Sie zudem an der University of Colorado in Denver ein neues Labor auf, wo sie ihr Forschungsprogramm zur Lungenregeneration langfristig weiter ausbauen wird.
Hintergrund:

Der Name Frizzled (englisch: kräuseln) geht zurück auf seine Entdeckung in genetisch veränderten Fruchtfliegen: Tiere denen Frizzled fehlte, zeigten ein Fehlstellung der Haare (Haarsträubung).
Erst kürzlich konnten Melanie Königshoff und ihr Team einen weiteren Mechanismus zeigen, der bei COPD-Patienten verhindert, dass sich die Lunge selber heilt. https://www.helmholtz-muenchen.de/presse-medien/pressemitteilungen/alle-pressemi… Auch hier wird der Wnt/Beta-Catenin Signalweg gestört. Welche zentrale Rolle diese Signalkette in der Lunge hat, zeigen zudem Untersuchungen aus dem Königshoff Team, wonach er auch bei der Lungenfibrose eine Rolle spielt. https://www.helmholtz-muenchen.de/presse-medien/pressemitteilungen/2016/pressemi…
Original-Publikation:

Skronska-Wasek, W. et al. (2017): Reduced Frizzled receptor 4 expression prevents WNT/β-catenin-driven alveolar lung repair in COPD. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, doi: 10.1164/rccm.201605-0904OC http://www.atsjournals.org/doi/abs/10.1164/rccm.201605-0904OC
Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de
Die Abteilung Lung Repair and Regeneration gehört dem Comprehensive Pneumoloy Center (CPC) an, einem Zusammenschluss des Helmholtz Zentrums München mit dem Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Ziel des CPC ist die Erforschung chronischer Lungenerkrankungen, um neue diagnostische und therapeutische Strategien zu entwickeln. Die Abteilung LRR untersucht neue Mechanismen um Reparaturprozesse der Lungen besser zu verstehen und so neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung neuer Methoden um die Lücke zwischen der präklinischen Forschung und deren Anwendung am Patienten zu verringern. Das CPC ist ein Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). http://www.helmholtz-muenchen.de/lrr
Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) ist ein nationaler Verbund, der Experten auf dem Gebiet der Lungenforschung bündelt und Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung verzahnt. Standorte sind Borstel/Lübeck/Kiel/Großhansdorf, Gießen/Marburg/Bad Nauheim, Hannover, Heidelberg und München. Ziel des DZL ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Erforschung von Lungenkrankheiten zu finden und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie zu leisten. http://www.dzl.de
Ansprechpartner für die Medien:

Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg – Tel. +49 89 3187 2238 – Fax: +49 89 3187 3324 – E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de
Fachliche Ansprechpartnerin:

Dr. Dr. Melanie Königshoff, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Comprehensive Pneumology Center, Max-Lebsche-Platz 31, 81377 München – Tel. +49 89 3187 4668 – E-Mail: melanie.koenigshoff@helmholtz-muenchen.de

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Zu dieser Mitteilung finden Sie die folgenden Bilder:

Helmholtz-Forscher haben einen Mechanismus aufgedeckt, der erklärt wie gesundes Lungengewebe (links) langfristig seine Struktur verliert (rechts).

 

Quelle:

Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung

Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Sonja Opitz, Abteilung, 02.03.2017 10:00

 

Tabakwerbeverbot: Jugendschutz darf nicht von Wirtschaftsinteressen der Politik blockiert werden

Deutsche Herzstiftung appelliert an alle Bundestagsabgeordnete für ein umfassendes gesetzliches Werbeverbot zu stimmen

Um Kinder und Jugendliche vor dem Einstieg in die Raucherkarriere schützen zu können und Rauchern den Ausstieg aus der Nikotinsucht zu erleichtern, sieht die Deutsche Herzstiftung ein gesetzliches Verbot von Zigarettenwerbung im öffentlichen Raum als die entscheidende Maßnahme. „Dafür muss aber das längst überfällige Verbot der Zigarettenwerbung in den Außenbereichen und in den Kinos in einem Gesetz festgeschrieben werden. Leider verhindern diesen notwendigen Schritt immer noch Bundestagsabgeordnete mit Lobbyinteressen in der Zigarettenindustrie“, kritisiert Prof. Dr. med. Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung (www.herzstiftung.de). Der Kardiologe verweist dabei auf Widerstand aus Teilen der CDU und CSU gegen ein solches Gesetz bei den Gesetzesverhandlungen im Spätsommer 2016. Sein kritischer Beitrag zu dieser Blockadehaltung in der Herzstiftungs-Zeitschrift HERZ HEUTE* wurde mit einem offiziellen Schreiben an 503 Bundestagsabgeordnete der Fraktionen der CDU/CSU und SPD geschickt: „verbunden mit der Bitte, endlich zu handeln“. Die Deutsche Herzstiftung hofft, dass dieser Appell die Parlamentarier dazu veranlasst, das Gesetz endlich zu verabschieden.
Die Widerstände von Abgeordneten gegen den Gesetzentwurf waren seinerzeit so stark, dass Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Bundesernährungsminister Christian Schmidt zusammen mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler in einem Brief die Abgeordneten aufforderten, die Umsetzung dieses Gesetzes nicht länger zu verzögern. Elf medizinische Fachgesellschaften und Institutionen, die im Aktionsbündnis Nichtrauchen (www.abnr.de) vertreten sind (z. B. die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie), koordiniert durch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, unterstützten den Brief durch einen eindringlichen Appell, der von über 100 Professoren aus der Medizin unterzeichnet wurde.

Werbung für Tabakprodukte: Deutschlands „beschämende Außenseiterrolle“

Wie Prof. Gohlke betont, „gibt es keinen rationalen oder rechtlichen Grund“, das Gesetz, zu dessen Umsetzung sich die Bundesregierung bereits vor elf Jahren verpflichtet hat, weiterhin zu blockieren. Deutschland hat 2005 das ratifizierte Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC), das die WHO verfasst hat, nicht in Gesetze umgesetzt. Damit ist die Bundesrepublik das einzige Land in Europa, das die Außenwerbung für Zigaretten noch erlaubt, und nimmt international eine beschämende Außenseiterrolle ein. Eine absurde Situation für eine Industrienation wie Deutschland, wo jedes Jahr mehr als 120.000 Menschen an den vielfältigen Folgen des Rauchens sterben: an Herzinfarkt und Schlaganfall, an bösartigen Tumoren und an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Unbeeindruckt davon investiert die Zigarettenindustrie große Summen in die Werbung – mit Ausgaben weit über 220 Millionen Euro. Sie spricht damit z. B. in den Kampagnen DON’T BE A MAYBE oder DO YOUR THING besonders Jugendliche an, obwohl das per Gesetz seit 1974 verboten ist.

„Das längst überfällige Tabakwerbeverbot schützt unsere Kinder und Jugendlichen und erleichtert den Personen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, den Ausstieg aus deren Tabakabhängigkeit. Gerade unsere rauchenden Herzpatienten berichten immer wieder, wie schwer es ist, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn sie an jeder Straßenecke Zigarettenwerbung sehen“, betont auch Herzstiftungs-Geschäftsführer Martin Vestweber.
*Helmut Gohlke, Tabakwerbeverbot: Wirtschaftsinteressen blockieren Jugendschutz, in: Deutsche Herzstiftung (Hg.), HERZ HEUTE – Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung, Ausgabe 1/2017, Frankfurt am Main.
Tipp: Ein Probeheft von HERZ HEUTE (Ausg. 1/2017) mit zahlreichen Informationen rund um das Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann kostenfrei bei der Herzstiftung per Tel. unter 069 955128400 oder per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de angefordert werden.
Druckfähiges Bildmaterial unter:

www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/collage-herz-heute-3-2017.jpg
7/2017

Informationen:

Deutsche Herzstiftung e.V.

Pressestelle:

Michael Wichert/Pierre König

Tel. 069/955128-114/-140

Fax: 069/955128-345

E-Mail: wichert@herzstiftung.de/

koenig@herzstiftung.de

www.herzstiftung.de

Weitere Informationen finden Sie unter

http://www.herzstiftung.de

http://www.abnr.de

http://www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/collage-herz-heute-3-2017.jpg

Zu dieser Mitteilung finden Sie die folgenden Bilder:

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift HERZ HEUTE der Deutschen Herzstiftung.

Prof. Dr. med. Helmut Gohlke, Kardiologe und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung.
Diese Pressemitteilung hat die folgenden Anhänge:

DHS_Prof Helmut Gohlke_Tabakwerbeverbot_2017

 

Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung

Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung, Michael Wichert, 20.02.2017 15:28

 

Auf die Größe kommt es an – Warum kleine Lungen öfter erkranken

 

Seit mehr als zehn Jahren untersuchen Lungenforscher und Epidemiologen am Helmholtz Zentrum München im Rahmen von internationalen Konsortien die Frage, ob bestimmte Abschnitte im Erbgut mit Lungenfunktion und -erkrankungen zusammenhängen. Auch an einer jüngst in ‚Nature Genetics‘ veröffentlichten Studie waren sie wieder beteiligt und konnten zeigen, warum Menschen mit einer kleineren Lunge ein erhöhtes Risiko für Lungenerkrankungen besitzen. Zudem lässt sich anhand der Gene demnach das Risiko für eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) vorhersagen.
Lungenerkrankungen sind nach wie vor eine große gesundheitliche Herausforderung für unsere Gesellschaft, und allein die COPD ist die dritthäufigste Todesursache weltweit. Um effiziente Therapien zu entwickeln, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, die grundlegenden Mechanismen in der Lunge zu verstehen. Das Wechselspiel zwischen Genen und Umwelt gerät dabei immer mehr in den Fokus.
Forscher des SpiroMeta Konsortiums haben über Jahre hinweg zahlreiche Bereiche im Erbgut ermittelt, die für die Funktion der Lunge eine Rolle spielen. Von Beginn an dabei ist auch die Gruppe um Prof. Dr. Holger Schulz, kommissarischer Direktor des Instituts für Epidemiologie I (EPI I) am Helmholtz Zentrum München. „Seit dem Beginn des Projekts im Jahr 2007 konnten wir das Wissen über lungenrelevante Gene entscheidend erweitern“, so Schulz im Rückblick. „Nach wie vor interessiert uns vor allem der Zusammenhang bestimmter Gene mit der Lungenfunktion, da bekannt ist, dass lungengesunde Menschen mit einer kleineren Lunge ein erhöhtes Risiko für Lungenerkrankungen besitzen.“

Weltgrößte Studie zur Genetik von Lungenerkrankungen

In der aktuellen Arbeit des Konsortiums, an der die Helmholtz-Wissenschaftler auch wieder beteiligt sind, ergaben sich genetische Hinweise, warum das so sein könnte. Dr. Christian Gieger, Leiter der Abteilung für Molekulare Epidemiologie (AME) am Helmholtz Zentrum München, erklärt dazu: „Wir konnten Genvarianten identifizieren, die mit einer geringeren Lungenfunktion assoziiert sind und deren Träger ein erhöhtes Risiko haben, an COPD zu erkranken. Diese neue und weltgrößte Studie zur Genetik von Lungenerkrankungen liefert also erste pathophysiologische Erklärungen für den Zusammenhang zwischen Lungenfunktion und bestimmten Genen.“ Zudem seien letztere auch Kandidaten für künftige Therapieansätze, dieser translationale Aspekt ist den Forschern besonders wichtig.
Dr. Stefan Karrasch, Wissenschaftler am EPI I und ebenfalls an der Arbeit beteiligt, beschreibt das methodische Vorgehen: „Zunächst untersuchte man Genomdaten von knapp 49.000 Probandinnen und Probanden mit sehr unterschiedlichen Lungenfunktionswerten. Die dabei gefundenen Genkandidaten wurden dann in einer zweiten Phase anhand von Daten weiterer gut 95.000 Probandinnen und Probanden überprüft.“* Auf diese Weise erhöhten die Wissenschaftler die Zahl an Kandidatengenen von 54 auf nun 97. Künftig, so hoffen sie, könnte man an diesen Stellen versuchen in die Lungenbiologie einzugreifen, um Krankheiten zu bekämpfen. Für manche Bereiche seien bereits Wirkstoffe in der Entwicklung, so die Autoren der Arbeit, die unter Federführung der Universität Leicester entstand (hier geht es zur entsprechenden Mitteilung der englischen Kollegen: http://www2.le.ac.uk/offices/press/press-releases/2017/february/world-lung-healt…). Zudem entwarfen die Wissenschaftler einen sogenannten Risikoscore**, um die Wahrscheinlichkeit von COPD vorherzusagen. Patienten mit den höchsten Werten hatten ein fast viermal so hohes Risiko, eine COPD zu entwickeln, als solche mit den niedrigsten Werten.
Weitere Informationen
* Die Daten stammten aus der sogenannten UK Biobank. Dieses groß angelegte Projekt sammelt Gesundheitsdaten von 500.000 freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Vereinigten Königreich, um die Prävention, Diagnose und Behandlung zahlreicher Krankheiten zu verbessern. Darunter fallen beispielsweise auch Diabetes, Demenz, Krebs und andere Volkskrankheiten. http://www.ukbiobank.ac.uk
** Unter einem Score versteht man in der Medizin einen Punktwert, der aus unterschiedlichen diagnostischen Parametern entsteht. Er dient dazu, die Schwere einer Erkrankung abzuschätzen.
Hintergrund:

An der aktuellen Studie waren 107 Wissenschaftler aus 14 Ländern beteiligt, darunter die Institute für Epidemiologie, Genetische Epidemiologie, Molekulare Epidemiologie und Lungenbiologie/Comprehensive Pneumology Center des Helmholtz Zentrums München, Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL). Darüber hinaus sind an der aktuellen Studie von deutscher Seite die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald beteiligt.
Die Münchner Helmholtz-Forscher untersuchen unter anderem Daten der Augsburger KORA-Studie: Die Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA) untersucht seit 30 Jahren die Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg. Ziel ist es, die Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu verstehen. Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens (u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a. Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der Gesundheitsversorgung untersucht. http://www.helmholtz-muenchen.de/kora
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Original-Publikation:

Wain, L. et al. (2017): Genome-wide association analyses for lung function and chronic obstructive pulmonary disease identify new loci and potential druggable targets. Nature Genetics, DOI: doi:10.1038/ng.3787

http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.3787.html?WT.feed_name=su…
Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de
Das Institut für Epidemiologie I (EPI I) erforscht die Bedeutung von Umwelt- und Lebensstilfaktoren, genetischer Konstitution und Stoffwechsel bei Entstehung und Progression von Atemwegs-, Stoffwechsel- und allergischen Erkrankungen, sowie ausgewählten Krebserkrankungen. Dazu dienen Daten und biologische Proben aus den bevölkerungsbasierten Kohortenstudien GINI, LISA und MONICA/KORA. Das Institut ist federführend an Planung und Aufbau der Nationalen Kohorte beteiligt. http://www.helmholtz-muenchen.de/epi1
Die selbstständige Abteilung Molekulare Epidemiologie (AME) analysiert populationsbasierte Kohorten und Fallstudien für bestimmte Krankheiten mit Hilfe von Genomik, Epigenomik, Transkriptomik, Proteomik, Metabolomik und funktionellen Analysen. Ziel ist, die molekularen Mechanismen komplexer Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Adipositas aufzuklären. Die Abteilung führt die Bioprobenbank der Epidemiologie und übernimmt die Probenverwaltung und -lagerung für nationale und internationale Projekte. http://www.helmholtz-muenchen.de/ame
Das Institut für Lungenbiologie (iLBD) gehört dem Comprehensive Pneumoloy Center (CPC) an, einem Zusammenschluss des Helmholtz Zentrums München mit dem Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Ziel des CPC ist die Erforschung chronischer Lungenerkrankungen, um neue diagnostische und therapeutische Strategien zu entwickeln. Das iLBD führt mit der Untersuchung zellulärer, molekularer und immunologischer Mechanismen von Lungenerkrankungen den Schwerpunkt der experimentellen Pneumologie an. Das CPC ist ein Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). http://www.helmholtz-muenchen.de/ilbd
Ansprechpartner für die Medien:

Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg – Tel. +49 89 3187 2238 – Fax: +49 89 3187 3324 – E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de
Fachlicher Ansprechpartner:

Prof. Dr. Holger Schulz, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Epidemiologie I, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg – Tel. +49 89 3187 4119, E-Mail: schulz@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen finden Sie unter

– Weitere Mitteilungen des Helmholtz Zentrums München mit Themenfilter-Funktion

 

Quelle:

Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung

Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Sonja Opitz, Abteilung, 07.02.2017 10:19

Schlafmedizin 4.0: Grenzüberschreitendes Zusammenarbeiten und innovative Zukunftsperspektiven

 

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V., Wolfgang Müller M.A., 10.01.2017 10:21
Dresden. Die Schlafmedizin hat es in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten erreicht, sich von einer reinen Grundlagenwissenschaft zu einer Fachrichtung zu entwickeln, die, interdisziplinär agierend, medizinische Standards zur Diagnostik und Therapie von über 70 Schlafstörungen gesetzt und es überdies geschafft hat, gesellschaftlich den hohen gesundheitlichen Stellenwert von erholsamem Schlaf zu manifestieren.
2000 Experten aus zahlreichen medizinischen Disziplinen sowie aus Psychologie und Naturwissenschaften kamen zur 24. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) im Dezember 2016 in Dresden zusammen, um wissenschaftliche und klinische Fortschritte in der Schlafmedizin zu diskutieren.
Von schlafbezogenen Atmungsstörungen, Chronobiologie, Vigilanz und Tagesmüdigkeit über den Bezug von Schlaf und Depressionen, Herzinsuffizienz, COPD/Asthma und Schlaganfall über spezielle Themen wie Klartraumforschung, Beziehungsqualität, Schlaf in extremen Situationen, Smartphone Apps und Schlafstörungen bei der Bundeswehr hielt das wissenschaftliche Programm wieder ein großes Spektrum bereit. Insgesamt wurden 105 Vorträge in 24 Symposien sowie weitere Sessions mit freien Vorträgen und Kurzvorträgen, 61 Poster-Präsentationen, TA-Fortbildungsprogramme, Lunch-Workshops, ein Kolleg Schlafmedizin und ein Fortbildungscurriculum „Hausärztliche Schlafmedizin“ angeboten. Es gab gemeinsame Symposien mit den Deutschen Gesellschaften für Pneumologie, für Kardiologie, für Biomedizinische Technik, für Neurologie sowie für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Neu in diesem Jahr war die Sitzung „Generationen im Dialog“, bei welcher die Professoren Marianne Schläfke und Hartmut Schulz, beide Schlafmediziner der ersten Stunde, zur Quintessenz ihres wissenschaftlichen Wirkens referierten und gleichzeitig die wissenschaftlichen Arbeiten der aktuellen Preisträgerinnen Marion Kuhn (DGSM-Nachwuchsförderpreis 2016) und Isabel Brandhorst (Promotions-Nachwuchsförderpreis „Becker-Carus“ 2016) vorgestellt wurden.
Die 24. Jahrestagung der DGSM in Dresden hatte den Schwerpunkt medizinisch-technischer Innovationen in der Schlafmedizin und war dementsprechend überschrieben mit dem Motto „Schlafmedizin: grenzüberschreitend und innovativ“. Technische Innovationen werden in den kommenden Jahren dazu beitragen, schlafmedizinische Diagnostik und Therapie zu verbessern und patientenfreundlicher zu gestalten – darüber herrschte allgemeiner Konsens. Ja mehr noch, die dringende Notwendigkeit diesen nächsten Schritt in Richtung „Schlafmedizin 4.0“ zu gehen, wurde übereinstimmend erkannt. Thematisch war dies auch im wissenschaftlichen Programm verankert. Exemplarisch sollen hier die Symposien zu künftigen Nutzungsmöglichkeiten von Smartphones bei der Schlaferfassung und das gemeinsame Symposium mit der DGBMT zu neuen medizintechnischen Verfahren genannt werden. Im Festvortrag zeigte Professor Gerhard Fettweis, Inhaber des Vodafone-Stiftungslehrstuhls für Mobile Nachrichtensysteme an der TU Dresden, faszinierende Visionen des künftigen Mobilfunk der fünften Generation („5G“) auf. Dessen Möglichkeiten reichen dabei von Internetsicherheit über Mobilfunk in Echtzeit bis hin zu Verkehrs-Echtzeitsteuerung und Fern-Operationen. Die fünfte Netzgeneration ebnet den Weg in die umfassende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und somit ist der Standort Dresden ein entscheidender Impulsgeber für revolutionäre Innovationen. „Dresden war der perfekte Tagungsort für die Jahrestagung der DGSM, weil die starke informationstechnische Ausrichtung des Standortes in Forschung und Wirtschaft neue schlafmedizinische Anwendungen stimulieren wird. Dresden ist einer der wichtigsten Technikstandorte weltweit, wobei die Unterstützung des Menschen in seiner Gesundheit und seiner Lebensweise ein zentraler Schwerpunkt neuer Technologien sein wird“, so Professor Hagen Malberg, Direktor des Instituts für Biomedizinische Technik der TU Dresden. Er bildete in diesem Jahr gemeinsam mit Dr. med. Andrea Bosse-Henck, Leiterin des Schlaflabors der Abteilung für Pneumologie des Universitätsklinikums Leipzig und Dr. med. Steffen Schädlich, Leiter des Schlaflabors der Klinik für Innere Medizin II des Krankenhauses Martha-Maria Halle-Dölau die Leitung der DGSM-Jahrestagung. Malberg bekräftigte das große Interesse an schlafmedizinischen Erkenntnissen aus anderen Bereichen, wie etwa der Automobilindustrie. Spannende Entwicklungen dazu offerierte auch der Workshop „VUFO-Expertenforum – interdisziplinäre Verkehrsunfallforschung“, in welchem aufgezeigt wurde, welche Synergien etwa hinsichtlich der neuen Fahrerrichtlinien und Systeme für autonomes Fahren bestehen. Es wurde diskutiert, wie schlafmedizinische Ergebnisse zu Stress, Vigilanz und Einschlafen im Auto eingesetzt, gemessen und verarbeitet werden können.
Im Bereich der Verkehrsunfallforschung ist die DGSM sehr engagiert: Am 9. Dezember 2016 startete eine Kampagne des Bundesverkehrsministeriums, des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und der DGSM, die in den nächsten beiden Jahren öffentlich aufklären helfen soll. „Es geht darum, für Schläfrigkeit am Steuer zu sensibilisieren. Diese ist gefährlicher als Alkohol am Steuer und verursacht doppelt so häufig tödliche Unfälle, aber es wird weniger dagegen unternommen. Hier muss dringend ein Bewusstseinswandel stattfinden“, fordert Dr. Hans-Günter Weeß vom Vorstand der Gesellschaft.
Ein Bewusstseinswandel ist auch im Zusammenhang mit der inneren Uhr des Menschen von Seiten der DGSM gefordert. „Wir können heute noch nicht messen, wie viel Schlaf jemand braucht, sondern nur wie viel jemand bekommt“, sagte der bekannte Chronobiologe Professor Till Roenneberg, der den Begriff des sozialen Jetlags prägte, ein Zustand chronischer Ermüdung, verursacht dadurch, dass man, wenn der Wecker klingelt, „biologisch noch nicht zu Ende geschlafen hat“. Die Menschen leben zumeist gegen ihre innere Uhr, die Zeitgeber Licht und Dunkelheit greifen nicht mehr. So arbeiten nachweislich fast zehn Prozent der Deutschen dann, wenn sie eigentlich im Schlafmodus sind. Auch 18 Prozent der Spitzenkräfte in der Wirtschaft und ein Drittel der Spitzenpolitiker bekommen weniger als fünf Stunden Schlaf täglich. Und das Schlimme daran: Wenig Schlaf wird gesellschaftlich mit Fleiß und Tüchtigkeit verbunden. Auch ein Umdenken in punkto Schichtarbeit wollen die Experten der DGSM erreichen. Schichtarbeiter, so haben es Studien erwiesen, leiden öfter unter Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Magen-Darm-Erkrankungen sowie eben Schlafstörungen. Das körpereigene Hormon Melatonin wird nachts ausgeschüttet und bewirkt das Einschlafen. Ein Ansatz der Schlafforschung: Bessere Lichtquellen für Nachtarbeiter schaffen mittels LED-Technik. Mehr Blauanteile im Licht in Anlehnung ans Tageslicht sollten generell eingeführt werden. Denn bei Tage wird die Melatonin-Ausschüttung unterdrückt.
Für die interessierte Öffentlichkeit fand im Rahmen des DGSM-Kongresses ein Patientenforum zum Thema „Schlaf und Partnerschaft“ statt. Die Dresdner nutzten die Möglichkeit hier umfassend ihre Schlafprobleme zu schildern und sich Rat bei den anwesenden Schlafmedizinern zu holen. Die DGSM bietet auf ihrer Homepage dgsm.de für Betroffene u.a. eine Übersichtskarte der akkreditieren Schlaflabore in Deutschland sowie Patientenratgeber zu den wichtigsten Schlaferkrankungen an. Derzeit besteht in Deutschland ein regional unterschiedlich ausgeprägtes Angebot schlafmedizinischer Versorgung, wobei die jeweiligen Versorgungsangebote meistens auf spezielle Fragestellungen ausgerichtet sind. Für Patientinnen und Patienten mit Schlafstörungen ist es daher oft schwierig, die richtigen Ansprechpartner zu finden. „Anzustreben sind daher interdisziplinär arbeitende schlafmedizinische Versorgungszentren, die den unterschiedlichen Bedürfnissen von Menschen mit Schlafstörungen vollumfänglich gerecht werden können“, betont Dr. Alfred Wiater, Vorsitzender der DGSM. Des Weiteren ist eine intensivere Verankerung der Schlafmedizin in der hausärztlichen Versorgung dringend erforderlich. Nur dadurch wird es möglich werden, Menschen mit Schlafstörungen rechtzeitig, d.h. bevor Chronifizierungen und Folgeprobleme manifest sind, zu identifizieren und der geeigneten Diagnostik und Therapie zuzuführen. „Wenn man bedenkt, welche gravierenden Auswirkungen Schlafstörungen in unserer Gesellschaft haben können, wie schwere Unfälle infolge von Sekundenschlaf, Herzkreislaufstörungen bei unbehandelter Schlafapnoe, Stoffwechselstörungen bei Schlafmangel oder Konzentrations- und Lernprobleme bei Kindern etc., wird deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht“, so Alfred Wiater.
Die nächste Jahrestagung findet unter dem Motto „Schlaf bewegt!“ vom 9.-11. November 2017 in Münster statt.
Wenn Sie regelmäßig Neuigkeiten und Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin erhalten möchten, so melden Sie sich gern beim Pressekontakt und wir nehmen Sie in den Verteiler auf!
Pressekontakt:

Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Romy Held

Tel.: 03641/3116280

romy.held@conventus.de

Quelle: IDW

Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung

COPD – warum die Lunge nicht mehr heilt?

Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) verliert die Lunge der Betroffenen ihre Fähigkeit, Schäden selber zu beheben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL), haben nun einen begründeten Verdacht, woran das liegen könnte. Im ‚Journal of Experimental Medicine‘ machen sie das Molekül Wnt5a dafür verantwortlich. Ein Erklärvideo mit der Studienleiterin finden Sie unter https://vimeo.com/195781642
Chronischer Husten ist meist das erste Anzeichen einer COPD. Im weiteren Verlauf kommen eine Verengung der Atemwege und oft ein Lungenemphysem hinzu. Das bezeichnet eine nicht umkehrbare Erweiterung und Schädigung der Lungenbläschen. „Der Körper ist nicht in der Lage, die zerstörten Strukturen wieder zu reparieren“, erklärt Dr. Dr. Melanie Königshoff, Leiterin der Abteilung Lungenreparatur und Regeneration (LRR) am Comprehensive Pneumology Center (CPC) des Helmholtz Zentrums München. Sie und ihr Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, zu verstehen, wie es dazu kommt.
„In unserer aktuellen Arbeit konnten wir zeigen, dass sich bei einer COPD die Botenstoffe verändern, mit denen die Zellen der Lunge untereinander kommunizieren“, so Königshoff. Konkret stellten die Wissenschaftler fest, dass vermehrt das Molekül Wnt5a produziert wird und den für die Reparatur zuständigen klassischen (der Fachmann sagt kanonischen) Wnt/beta-Catenin-Signalweg stört.*
„Unsere Arbeitshypothese war, dass die Balance zwischen verschiedenen Wnt Botenstoffen im Rahmen einer COPD nicht mehr im Gleichgewicht ist“, so Dr. Hoeke Baarsma, LRR-Wissenschaftler und Erstautor der Studie. Entsprechend suchten die Forscher nach möglichen Störsignalen. „Wir fanden sowohl im präklinischen Modell als auch in Gewebeproben von Patienten, dass insbesondere das nicht kanonische Molekül Wnt5a deutlich öfter und in einer veränderten Form in COPD-Geweben vorkommt.“ Auch führten für COPD typische Reize wie etwa Zigarettenrauch, den Autoren zufolge, zu einer vermehrten Produktion von Wnt5a und in der Folge zu einer verschlechterten Regeneration der Lunge.
Im nächsten Schritt konnten die Forscher zeigen, woher das irrläufige Signal stammt: „Es wird von bestimmten Zellen des Bindegewebes produziert, den sogenannten Fibroblasten“, so Baarsma. Behandelte man Lungenepithelzellen mit dem von den Fibroblasten ausgeschiedenen Wnt5a, so verloren diese ihre Fähigkeit zur Wundheilung. Anders herum konnten die Wissenschaftler durch einen gegen Wnt5a gerichteten Antikörper in zwei verschiedenen Versuchsmodellen die Lungenzerstörung verlangsamen und die Lungenfunktion besser aufrechterhalten.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die klassische Signalweitergabe des Wnt/beta-Catenin-Signalwegs durch den Liganden Wnt5a gestört wird. Das ist ein gänzlich neuer Mechanismus im Zusammenhang mit COPD und könnte zu neuen therapeutischen Ansätzen führen, die dringend zur Behandlung benötigt würden“, ordnet Studienleiterin Königshoff die Ergebnisse ein.
Weitere Informationen
* Der Wnt-Signalweg ist einer von vielen Wegen zur Weitergabe von Signalen, durch die Zellen auf äußere Veränderungen reagieren können. Der Signalweg ist nach seinem Hauptakteur „Wnt“ benannt, einem Signalprotein, das als lokaler Vermittler eine wichtige Funktion bei der Entwicklung verschiedener tierischer Zellen einnimmt. An der kanonischen (klassischen) Weiterleitung der Signale sind zahlreiche Proteine beteiligt, darunter als zentraler zellulärer Botenstoff beta-Catenin. Wirkt Wnt – wie hier beschrieben – durch andere Botenstoffe, so spricht man von einem nicht-kanonischen Signalweg, dieser kann den kanonischen Signalweg negativ beeinflussen.
Hintergrund: Die Abteilung von Melanie Königshoff ist Teil des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). Dr. Hoeke Baarsma arbeitet als Postdoktorand im Rahmen des Helmholtz Postdoctoral Fellowship Programms (PFP), was durch die Helmholtz Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren geförderten wird.
Original-Publikation: Baarsma, HA et al. (2016): Non-canonical WNT-5A signaling impairs 1 endogenous lung repair in COPD. Journal of Experimental Medicine, doi: 10.1084/jem.20160675
Verwandter Artikel: Wnt-Rezeptor als neues therapeutisches Target bei Lungenfibrose entdeckt https://www.helmholtz-muenchen.de/presse-medien/pressemitteilungen/2016/pressemi…
Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de
Die Abteilung Lung Repair and Regeneration gehört dem Comprehensive Pneumoloy Center (CPC) an, einem Zusammenschluss des Helmholtz Zentrums München mit dem Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und den Asklepios Fachkliniken München-Gauting. Ziel des CPC ist die Erforschung chronischer Lungenerkrankungen, um neue diagnostische und therapeutische Strategien zu entwickeln. Die Abteilung LRR untersucht neue Mechanismen um Reparaturprozesse der Lungen besser zu verstehen und so neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung neuer Methoden um die Lücke zwischen der präklinischen Forschung und deren Anwendung am Patienten zu verringern. Das CPC ist ein Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL). http://www.helmholtz-muenchen.de/lrr
Das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) ist ein nationaler Verbund, der Experten auf dem Gebiet der Lungenforschung bündelt und Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung verzahnt. Standorte sind Borstel/Lübeck/Kiel/Großhansdorf, Gießen/Marburg/Bad Nauheim, Hannover, Heidelberg und München. Ziel des DZL ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Erforschung von Lungenkrankheiten zu finden und damit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie zu leisten. http://www.dzl.de
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Dr. Dr. Melanie Königshoff, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Comprehensive Pneumology Center, Max-Lebsche-Platz 31, 81377 München – Tel. +49 89 3187 4668 – E-Mail: melanie.koenigshoff@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen finden Sie unter

– Melanie Königshoff über “Frischen Wnt für die COPD-Forschung”

Zu dieser Mitteilung finden Sie die folgenden Bilder:

Das Molekül Wnt5a ist verantwortlich dafür, dass bei COPD Patienten Strukturen der Lunge (hier dargestellt das Lungenbläschen-Epithel in Grün und Immunzellen in rot) nicht mehr heilen.

Dr. Dr. Melanie Königshoff und Dr. Hoeke Baarsma

 

Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung

Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, Sonja Opitz, Abteilung, 16.12.2016 10:00

 

Medikationskatalog zur Therapie von Asthma und COPD – ein Anschlag auf die personalisierte Medizin?

Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung

Deutsche Atemwegsliga e.V., Dr. Ulrich Kümmel, 14.12.2016 11:00
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine Medikamentenliste erstellt und darin Medikamente u. a. Arzneimittel zur Behandlung von Asthma und COPD in die Kategorien Standard-, Reserve- und nachrangige Medikamente eingeteilt. Obwohl die Zuordnung der Asthma- und COPD Medikamente evidenzbasiert erfolgte, wurden für die Therapie der Patienten wesentliche, ebenfalls mit Evidenz belegte therapeutische Praktiken und Prinzipien – vor allem eine Schweregrad orientierte Stufentherapie – nicht hinreichend berücksichtigt. Die Deutsche Atemwegsliga ist daher besorgt, dass eine starre Zuordnung von Asthma- und COPD-Medikamenten die Versorgung der Patienten wesentlich verschlechtern wird.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine Medikamentenliste erstellt und in diesem Medikationskatalog die auf dem Markt befindlichen Medikamente auch für die Behandlung von Asthma und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) in drei Kategorien eingeordnet: Standardmedikamente, Reservemedikamente und nachrangige Medikamente. Als „Standard“ wurden diejenigen Wirkstoffe definiert, die für den überwiegenden Anteil der Patienten zur Behandlung in Frage kommen. Die „Reservewirkstoffe“ beziehen sich auf den Einsatz bei „relevanten“ Patientengruppen, für die die Standardwirkstoffe nicht geeignet sind. „Nachrangig zu verordnende Wirkstoffe“ sind die übrigen für diese Indikation zugelassenen Wirkstoffe, die in bestimmten Behandlungskonstellationen Vorteile haben, aber in der „Gesamtschau“ als „nachrangig zu verordnen“ einzustufen sind.
Die Zuordnung erfolgte unter Hinzuziehung von Leitlinien, Cochrane Reviews, IQWiG – Analysen, Entscheidungen des G-BA, der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und des Arzneimitteltelegramms. Die Liste soll für die Allgemeinärzte eine Hilfe zur richtigen und wirtschaftlichen Verordnung von Medikamenten geben und nach Integration in den Praxiscomputer die bisherige Richtgrößenprüfung für die Wirtschaftlichkeit ablösen. Die Standardmedikamente sollten bevorzugt verordnet werden.
Obwohl die Zuordnung der Asthma- und COPD Medikamente nicht willkürlich ist, sondern evidenzbasiert erfolgte, wurden für die Behandlung der Patienten wesentliche, ebenfalls mit Evidenz belegte therapeutische Praktiken und Prinzipien – vor allem eine Schweregrad orientierte Stufentherapie – nicht hinreichend berücksichtigt.
Nach den weltweit am häufigsten genutzten Empfehlungen zur Behandlung von Asthma (GINA) (www.ginasthma.org) und COPD (GOLD) (www.goldcopd.org) wird der Einsatz der Medikamente zur Symptomkontrolle und zur Reduktion des Exazerbationsrisikos individuell, sozusagen „maßgeschneidert“ empfohlen, wobei die Auswahl der Medikation auch von dem jeweils vorliegenden Phänotyp des Patienten abhängt.

Eine starre Einteilung nach Standardmedikation (für alle Patienten mit Asthma bzw. für alle Patienten mit COPD) ist nicht vereinbar mit diesem Anspruch.
Es gibt mehrere phänotypische Therapien für Asthma und COPD, die für die betroffenen Patienten Standard darstellen aber in der Liste unter „nachrangig“ aufgeführt werden.
Lang wirksame Beta-2-Adrenergika (LABA) wie Formoterol und Salmeterol gehören ohne Zweifel zur Standardmedikation des Asthma (wenn auch nicht auf der ersten Therapiestufe). Sie dürfen aber nicht ohne inhalative Kortikosteroide als Monotherapie verordnet werden. Es gibt keine Asthma – Leitlinie, die eine LABA Monotherapie befürworten würde. Zwar sind Beclometason und Budesonid, als inhalatives Kortikosteroide (ICS) ebenfalls als Standardmedikation für das Asthma vorgesehen und könnten theoretisch zusammen mit Formoterol als zweitem Inhalator verschrieben werden. Die Adhärenz zu Inhalatoren mit ICS Monotherapie ist aber schlecht. Eine solche Verordnung senkt drastisch – wie zahlreiche Studien zeigen – die Adhärenz zu der antientzündlichen Therapie und lässt die Asthmamortalität ansteigen. Daher gehören ICS/LABA-Fixkombinationen für alle Patienten ab GINA Therapiestufe 3 zur Standardtherapie und nicht zur Reserve.
Auch bei der COPD wird in der aktuellen GOLD- Empfehlung (2017) für Patienten, die mit einem Bronchodilatator (LAMA oder LABA) nicht hinreichend eingestellt werden können, die Kombination LAMA/LABA als Standard empfohlen, während die Einstufung als fixe Kombination in dem Medikationskatalog als „Reserve“ oder „nachrangig“ erfolgt ist.
Die GOLD bzw. GINA Empfehlungen bzw. die nationalen Leitlinien unterstützen nicht die Unterscheidung für die verschiedenen fixen LABA/ICS- oder LABA/LAMA-Kombinationen als „Reserve“ oder „nachrangig“; dort werden nur Wirkstoffgruppen, keine einzelnen Wirkstoffe empfohlen. Der wesentliche Grund hierfür dürfte darin liegen, dass keine direkten Vergleichsstudien („head-to-head comparison“) vorliegen. Damit ist ein Evidenz basierter direkter Vergleich der einzelnen Kombinationspräparate – wie im Medikationskatalog der KBV erfolgte – nicht sicher möglich.
Die Notwendigkeit einer individuellen Auswahl der Therapeutika gilt auch für die Inhalationssysteme. Es gibt unbestritten Patienten, die das eine oder andere Inhalationsgerät nicht einsetzen können, weil sie z.B. den erforderlichen inspiratorischen Fluss nicht aufbringen. Hier hilft auch keine Schulung. Daher wird von GINA (2016) ausdrücklich empfohlen, die Auswahl des Inhalationsgerätes individuell zu treffen und mit dem Patienten gemeinsam zu entscheiden.
Die Deutsche Atemwegsliga e.V. ist daher besorgt, dass eine starre Zuordnung von Asthma und COPD Medikamenten – mit Verknüpfung der Wirtschaftlichkeitsprüfung der verschreibenden Ärzte – die Versorgung der Asthma- und COPD Patienten wesentlich verschlechtern wird. Es könnte ein wirtschaftlicher Druck auf die Ärzteschaft entstehen – ausgerechnet in der Ära der personalisierten Medizin- für alle Patienten möglichst nur Standard zu verschreiben.

Dies widerspricht auch den Intentionen der Disease Management Programme für Patienten mit Asthma und COPD, die eine effiziente, der Schwere der Erkrankung individuell angepasste Behandlung befürworten.