Der Begriff Allergologie stammt aus dem griechischen von allos = anders und ergein = reagieren und bedeutet anders reagieren.

Der Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet ( 1874 bis 1929 ) bemerkte 1905 bei Impfungen seiner kleinen Patienten eine stärkere und schneller auftretende Reaktion an der Einstichstelle. In einem Selbstversuch injizierte er sich mehrfach Kuhpocken und es kam zu einer Quaddelbildung. Am 27.07.1905 ließ er das Ergebnis von seinem Kollegen Dr. Carl Henning durch eine Moulage seines Armes dokumentieren. Moulagen sind farbige Wachsabformungen von erkrankten Körperteilen aus der Zeit, in der die Farbfotografie für diese Zwecke noch nicht ausreichend war. Diese Moulage gilt noch heute als eindrucksvolles Zeitzeugnis der Forschung in der Geburtsstunde der Allergologie.

Immer mehr Menschen leiden an Allergien. Oft handelt es sich dabei um Bronchialasthma, Heuschnupfen, Ekzeme oder Nesselsucht, aber es kommt auch zu Störungen anderer Organe. Auslöser für die Beschwerden sind Stoffe – sogenannte Allergene – auf die der Körper überempfindlich reagiert und das durch Erkrankung äußert. Die Anzahl der Allergene nimmt ständig zu. Nicht nur Pollen, Tierhaare, Staub oder Erdbeeren sind Allergieauslöser, sondern auch Kosmetika, Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln und Arzneimittel können eine Allergie verursachen.
Allergie bedeutet also Überempfindlichkeit des Körpers gegen einen bestimmten Stoff, die zu einer Erkrankung führt. Diese wird durch Immunzellen oder bestimmte Antikörper ausgelöst, die sich nach dem Kontakt mit dem Stoff im Blut bilden. Normalerweise wehrt das Immunsystem schädliche Einflüsse ab. Bei einer Allergie richtet sich das Immunsystem jedoch gegen harmlose Substanzen, die über die Ernährung oder die Atemwege ins Blut gelangen. Unser Immunsystem ist überlastet, denn die Liste der Fremdstoffe, mit denen wir in Berührung kommen, wächst täglich. Immer häufiger zeigt unser Körper, dass er der ständig steigenden Belastung nicht mehr gewachsen ist. Er ist durch die vielen Umweltgifte empfindlicher geworden und das begünstigt die allergische Sensibilisierung. Andere vertreten die Ansicht, dass die immer besser werdende Hygiene uns von vielen Stoffen fernhält, die unser Immunsystem trainieren würden. Das nun untrainierte Immunsystem stürze sich dann auch auf harmlose Substanzen und reagiere über. Es ist noch nicht abschließend geklärt, welche genauen Ursachen der rasante Anstieg der Allergien hat. Vielleicht liegt die Wahrheit, wie so oft, in der Mitte. Allergien können an jedem Organ auftreten, meistens sind die Haut und die Schleimhäute davon betroffen. Schnupfen, Atemnot und Juckreiz sind die häufigsten Symptome, aber es gibt auch den lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock.

Bei der Diagnose der Allergie unterscheidet man in der Allergologie über die Reaktion des Immunsystems des Patienten zwei Arten :
Wenn an der Reaktion des Immunsystems Antikörper des Typs IgE und Mastzellen beteiligt sind, die das juckreizauslösende Histamin freisetzen, spricht man in der Allergologie von einer Soforttyp- oder Typ-I-Reaktion ( z.B. Nahrungsmittelallergien oder Heuschnupfen ).
Reagiert das Immunsystem überwiegend mit T-Lymphozyten, dann spricht man von einer Spättyp- oder Typ-IV-Reaktion ( z. B. einige Medikamentenallergien oder das allergische Kontaktekzem ).
Der zeitliche Ablauf der Allergie entscheidet über die Zuordnung. Bei Typ I äußern sich die Symptome innerhalb von 6 Stunden, bei Typ IV dauert es 24 – 48 Stunden.

Die Allergologie steht nun vor der Herkulesaufgabe, nicht nur die Symptome des Patienten zu heilen, sondern auch die Ursache dafür zu erkennen und zu beseitigen. Ein schwieriges Unterfangen angesichts der Tatsache, dass die Entstehung von Allergien wissenschaftlich und medizinisch noch nicht endgültig belegt ist. Dennoch bringen in der Allergologie verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bereits Erfolge bei der Heilung oder Linderung von Allergien.
In der Diagnostik ist die Anamnese des Patienten von außerordentlicher Wichtigkeit. Um so besser der Patient seine Allergiebeschreiben kann, desto eher kann die Allergologie helfen. Anhand der Krankengeschichte kann abgeschätzt werden, welcher Stoff die Allergie ausgelöst haben könnte. Darüber hinaus gibt es verschiedene Hauttests, die das Austesten einer Vielzahl von Allergenen ermöglichen. Beim allergischen Kontaktekzem läßt die Hautstelle oftmals Rückschlüsse auf das dort kontaktierte Allergen zu.

Bei der Behandlung der Allergie gibt es verschiedene Wege. Vom Vermeiden von Hautkontakt mit allergenen Stoffen, über Verabreichung von antiallergenen Arzneimitteln – sogenannte Antihistaminika – bis zur spezifischen Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Hierbei werden dem Patienten in regelmäßigen zeitlichen Abständen bestimmte Allergenextrakte, wie z. B. Pollen gespritzt, um sein Immunsystem wieder langsam an das Allergen zu gewöhnen. Hiermit soll auch ein Übergang des Heuschnupfens in ein allergisches Asthma verhindert werden.
Die pharmazeutischen Produkte heilen die Allergie zwar nicht, lindern aber deren Symptome. Hier gibt es Anti-IgE-Spritzen, Mastzellstabilisatoren in Augentropfen und Nasensprays und bei schwereren Verläufen Kortison in Salben oder Tablettenform, um Entzündungen zu reduzieren.
Da eine Allergie die Lebensqualität eines Patienten stark beeinträchtigen kann, ist es zu hoffen, dass die Forschung in derAllergologie zeitnah die Mechanismen der Allergie entschlüsselt, um das Leiden vieler Menschen zu heilen oder zu lindern.