Erhöhte Harnsäurespiegel im Blut sind seit langem als Ursache vom

Gichtanfällen bekannt. Doch ein Zuviel an Harnsäure dürfte, so zeigt die

Forschung der vergangenen Jahre, auch andere negative Konsequenzen haben –

unter anderem ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Ob Harnsäuresenkung

dieses Risiko senken kann, diskutierten Experten im Rahmen der DGK

Herztage.
Berlin, 7. Oktober 2016 – „Die Hyperurikämie ist ein unterschätzter

Risikofaktor. Es liegen mittlerweile zahlreiche Studien vor, in denen sich

gezeigt hat, dass die Sterblichkeit mit der Konzentration der Harnsäure im

Blut assoziiert ist“, sagte heute Prof. Dr. Christian Holubarsch, Park-

Klinikum Bad Krozingen, im Rahmen der DGK Herztage Berlin. „Das ist zwar

im streng wissenschaftlichen Sinne kein Beweis, aber doch ein deutlicher

Hinweis.“
Eine Assoziation erhöhter Harnsäurespiegel konnte mittlerweile für den

Herzinfarkt, die Herzinsuffizienz, sowie für den Schlaganfall gezeigt

werden, so Prof. Holubarsch: „Auch wenn die Evidenz noch nicht klar ist,

gibt es doch Studiendaten, die indirekte Hinweise liefern und dafür

sprechen, dass hier ein kausaler Zusammenhang besteht.“

Kausalität noch unklar

So konnten Untersuchungen zeigen, dass bei Patienten mit Herzinsuffizienz

die Aktivität des Enzyms Xanthinoxidase, das für die Produktion von

Harnsäure im Organismus erforderlich ist, gesteigert ist. Xanthinoxidase

dürfte auch einen Einfluss auf die Gefäßfunktion haben. „In einer kleinen

Studie konnte auch demonstriert werden, dass eine Harnsäuresenkung mit

Allopurinol zu einer Verbesserung der Endothelfunktion führt“, so Prof.

Holubarsch. „Was allerdings fehlt, sind gute Studien mit klinischen

Endpunkten und adäquater Power.“
Die einzige randomisierte, kontrollierte Studie, die einen Einfluss der

Harnsäuresenkung auf die Entwicklung einer Herzinsuffizienz zu zeigen

versuchte, verlief aber negativ. Allerdings hat eine post-hoc-Analyse

gezeigt, dass Patienten mit hohen Harnsäurewerten und gutem Ansprechen auf

die harnsäuresenkende Therapie auch kardiologisch von dieser profitieren.

Auch Kohortenstudien legen eine günstige Wirkung einer Harnsäuresenkung

auf die Herzinsuffizienz nahe.
Prof. Holubarsch: „Letztlich werfen solche Ergebnisse vor allem die Frage

auf, ob die in epidemiologischen Studien beobachteten Assoziationen von

Harnsäure und Risiko kausaler Natur sind, oder ob die Harnsäure nicht

vielleicht nur ein Marker für einen insgesamt schlechteren

Gesundheitszustand ist.“
In den ESC-Leitlinien zur Prävention wird die Harnsäure nicht erwähnt. Die

Leitlinie zur Herzinsuffizienz erwähnt die Assoziation von Harnsäure und

erhöhtem Risiko, betont aber, dass es aus kardiologischer Sicht keine

Evidenz zu Nutzen und Risiken einer medikamentösen Harnsäuresenkung gibt.

Unbestritten indiziert ist die Harnsäuresenkung bei Patienten mit Gicht.

Neue Studien sollen Klarheit schaffen

Nun sollen große, kontrollierte Studien Klarheit schaffen. „In der Studie

CARES werden die kardiologischen Wirkungen von Allopurinol und Febuxostat

in der Therapie der Gicht untersucht. Eine ähnliche Fragestellung verfolgt

die Studie FAST“, berichtet Prof. Holubarsch. „Seit 2014 läuft auch eine

große Outcome-Studie mit kardiovaskulären Endpunkten, die Allopurinol mit

Placebo vergleicht. Ergebnisse liegen noch nicht vor.“
Quellen: Fang J, Alderman MH Serum uric acid and cardiovascular mortality

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Sep;18(9):694-701
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Quelle: IDW