Bei Gicht, Atherosklerose und anderen Volkskrankheiten schädigen Kristalle

Gewebe. Forscher um Hans-Joachim Anders zeigen nun, wie die Mikropartikel

das Absterben von Zellen auslösen.

Bei verschiedenen weit verbreiteten Krankheiten sind Kristalle die

Auslöser. Sie führen, wie etwa die Harnsäure-Kristalle bei Gicht, zu einer

Abwehrreaktion des Immunsystems und lösen Entzündungen aus, zugleich

verursachen sie das Absterben von Gewebezellen. Ein Forscherteam um

Professor Hans-Joachim Anders von der Medizinischen Klinik und Poliklinik

der LMU, hat nun erstmals den Mechanismen dieses Kristall-vermittelten

Zelltods identifiziert. Ihre Ergebnisse sind für viele Erkrankungen von

Bedeutung, darunter neben Gicht auch Atherosklerose und manche Formen des

akuten Nierenversagens. Sie sind aktuell in der Fachzeitschrift Nature

Communications veröffentlicht.

Kristalle schädigen das Gewebe und können zu einem Versagen betroffener

Organe führen. Es wird vermutet, dass die von ihnen ausgelösten ganz

verschiedenen Erkrankungen einen verbindenden Pathomechanismus haben.

Bislang konzentrierte sich die Forschung vor allem darauf, wie Kristalle

Entzündungen auslösen. Die Forscher um Hans-Joachim Anders konnten nun

erstmals zeigen, dass die Kristalle bei Gewebezellen eine Form der

regulierten Nekrose in Gang setzen. „Das galt bisher eher als passive

Zellzerstörung. Es ist aber ein aktiv regulierter Mechanismus, der zum

direkten Zelltod führt“, sagt Hans-Joachim Anders.

Neuer Ansatzpunkt für Medikamente

Die Forscher haben den molekularen Mechanismus unter anderem an Nieren-

und Bindegewebszellen untersucht. Am Beispiel mehrerer Kristalle zeigen

sie auf, dass die Mikropartikel den immer selben Signalweg aktivieren, der

zum Zelltod führt. Ihre Daten weisen daraufhin, dass die Nekrose der

Auslöser für das Entzündungsgeschehen ist.

Bislang wird auch bei der medizinischen Behandlung von Erkrankungen, die

durch Kristalle ausgelöst werden, auf Entzündungshemmung gesetzt. Der von

Hans-Joachim Anders und seinen Kollegen identifizierte Mechanismus bietet

nun ein neues Ziel für die pharmakologische Forschung. „Der Signalweg

könnte ein neuer Ansatzpunkt für Medikamente sein. Wird er unterbunden,

würde das den durch Kristalle direkt ausgelösten Zelltod verhindern“, sagt

Anders. Der Studie zufolge müsste sich dadurch auch die Entwicklung einer

chronischen Entzündung verhindern lassen. Ob sich daraus auch praktische

Verbesserungen für die Behandlung von Patienten ergeben können, muss die

weitere Forschung zeigen.

Publikation:

Mulay, S. R. et al.

Cytotoxicity of crystals involves RIPK3-MLKL-mediated necroptosis

In: Nat. Commun. 7:10274, doi: 10.1038/ncomms10274 (2016)

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Hans-Joachim Anders

Medizinische Klinik IV

Klinikum der Universität München – Campus Innenstadt

Allgemeinmedizin und Nephrologie

Tel: +49 (0)89 / 5160-3325

E-Mail: hjanders@med.uni-muenchen.de

Quelle: IDW