„Klug entscheiden“ – so heißt eine Initiative der Deutschen Gesellschaft

für Innere Medizin, die sich mit Bereichen der Über- und Unterversorgung

in der Medizin auseinandersetzt. Die Deutsche Gesellschaft für

Rheumatologie (DGRh) hat in diesem Rahmen zehn Empfehlungen publiziert*,

die ein Zuviel oder Zuwenig an ärztlichem Handeln bewusst machen und damit

vermeiden helfen sollen.

Die Klug entscheiden-Empfehlungen der DGRh lenken die Aufmerksamkeit auf

Aspekte der Diagnostik und Therapie im Fach Rheumatologie, die aufgrund

klarer wissenschaftlicher Evidenz durchgeführt (Positivempfehlungen) bzw.

unterlassen (Negativempfehlungen) werden sollen. Die DGRh hat dafür Themen

gewählt, bei denen ein Zuviel oder Zuwenig im Alltag besonders häufig

erlebt wird und negative Konsequenzen für die Patienten und/oder die

Solidargemeinschaft zur Folge hat. Die Empfehlungen sollen den

behandelnden Arzt/die behandelnde Ärztin dabei unterstützen, häufige

Aspekte der Über- und Unterversorgung im Fachgebiet Rheumatologie zu

erkennen und zu vermeiden. Die DGRh weist jedoch darauf hin, dass der Arzt

in begründeten, individuellen Situationen von der „Klug

entscheiden“-Empfehlung abweichen kann oder sogar muss.

Bei der Umsetzung soll sich der Arzt/die Ärztin im Gespräch mit dem

Patienten/der Patientin auf die Empfehlung der Fachgesellschaft berufen

können. Deshalb plant die DGRh, in enger Kooperation mit den anderen

Schwerpunktgesellschaften der DGIM, bereits eine Patientenversion der

Empfehlungen. Auch eine Erweiterung der Anzahl der Empfehlungen für die

Zukunft ist vorstellbar. Ziel der Empfehlungen ist eine Verbesserung der

Patientenversorgung bei gleichzeitig angemessenem Ressourceneinsatz. Dazu

wird im ersten Schritt ein Bewusstsein geschaffen für häufige Bereiche der

Über- und Unterversorgung, das sich im Laufe der Zeit in einer Änderung

der Versorgungspraxis niederschlagen soll. Deshalb ist die Klug

entscheiden-Initiative der DGIM erst der Auftakt für die Etablierung einer

intelligenten und damit zukunftsfähigen Versorgungspraxis, in der die

verfügbaren Mittel so optimal wie möglich eingesetzt werden. Wünschenswert

wäre eine begleitende Versorgungsforschung, die die Versorgungspraxis

vor/nach Veröffentlichung der Empfehlungen in den Blick nimmt.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als

1.500 Mitgliedern die größte medizinische Fachgesellschaft in Deutschland

im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert seit mehr als 80 Jahren

die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in

Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und

ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.

Kurzfassung der Positivempfehlungen der DGRh:

1.      Nach Gichtanfall soll eine harnsäuresenkende Therapie nicht ohne

niedrig-dosierten Colchicin-Schutz begonnen werden.

2.      Jede unklare akute Gelenkschwellung soll unverzüglich durch

Gelenkpunktion/Punktatuntersuchung abgeklärt werden.

3.      Bei konkretem klinischen Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis

(„A. temporalis“) soll unverzüglich mit einer Glukokortikoid-Therapie

begonnen werden; die anstehende Diagnostik soll den Therapiebeginn nicht

verzögern.

4.      Bei allen Patienten unter immunsuppressiver Therapie soll

regelmäßig der Impfstatus geprüft und Impfungen gemäß den Empfehlungen der

STIKO aufgefrischt werden.

5.      Das kardiovaskuläre Risikoprofil von Patienten mit rheumatischen

Erkrankungen soll bestimmt und ggf. reduziert werden.

Kurzfassung der Negativempfehlungen de DGRh:

1.      Bei nichtspezifischem Kreuzschmerz unter 6 Wochen ohne „Red Flags“

soll eine Bildgebung nicht erfolgen.

2.      Ohne typische Anamnese und Klinik soll eine Borrelien-Serologie

nicht bestimmt werden.

3.      Eine längerfristige Glukokortikoidtherapie in einer Dosis von mehr

als 5mg/d Prednisonäquivalent soll nicht durchgeführt werden.

4.      Eine entzündlich-rheumatische Erkrankung soll als Diagnose nicht

verworfen werden, nur weil die Laborwerte (Entzündungsmarker, Serologie)

normal sind.

5.      Eine Behandlung von Laborparametern (z. B. RF positiv, ANA

positiv) ohne passende Klinik soll nicht erfolgen.

*Deutsches Ärzteblatt vom  17.06.2016, nähere Informationen unter

www.aerzteblatt.de

Quelle: IDW