Die Gicht ist die häufigste Form der Gelenkentzündung in Deutschland. Rund

1-2 % der Bevölkerung oder 950.000 Menschen in Deutschland leiden daran;

Männer häufiger als Frauen, ältere häufiger als junge Menschen.

Untersuchungen zufolge erfolgt die Versorgung der Betroffenen häufig nicht

konsequent genug, um Schäden an Gelenken und inneren Organen zu vermeiden.

Die von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) nun vorgelegte

S2e-Leitlinie „Gichtarthritis (fachärztlich)“ soll dazu beitragen, diese

Versorgungslücken zu schließen.

Der akute Gichtanfall wird durch im Gelenk abgelagerte Harnsäurekristalle

verursacht, auf die das Immunsystem mit einer Entzündung reagiert, so Dr.

Uta Kiltz vom Rheumazentrum Ruhrgebiet, die die Leitlinie für die DGRh

koordiniert hat. Die Gicht ist grundsätzlich als Systemerkrankung zu

betrachten, da sich die Harnsäurekristalle nicht nur in den Gelenken,

sondern auch in inneren Organen (z. B. Nieren) ablagern können.

Ursache für eine Gicht ist meistens ein erhöhter Harnsäurespiegel im

Blutserum, welche durch unzureichende Ausscheidung der Harnsäure über die

Nieren bei erhöhter Purinzufuhr über die Nahrung bedingt sind. Seltener

ist eine endogene Überproduktion von Harnsäure die Ursache. Harnsäure ist

das Endprodukt des menschlichen Purinstoffwechsels. Purine werden über die

Nahrung vor allem mit Alkohol und gesüßten Softgetränken, Fleisch und

Meeresfrüchten aufgenommen.

Die Gicht ist gut mit Medikamenten und entsprechender Diät zu behandeln

und heilbar, wenn eine ausreichende Harnsäuresenkung gelingt. Die

konsequente dauerhafte Harnsäuresenkung ist dabei unabdingbar, um weitere

Gichtanfälle und somit strukturelle Schäden zu verhindern.

In Deutschland existieren bisher keine einheitlichen Leitlinien für die

Gichtarthritis. Da die Erkrankung jedoch prinzipiell gut therapeutisch

beeinflussbar ist, hält die DGRh eine evidenzbasierte Versorgung für sehr

wünschenswert. Die Leitlinie richtet sich an Ärzte sowie Angehörige

nichtärztlicher Berufsgruppen, die an der Versorgung von Gichtpatienten

beteiligt sind. Die Leitlinie kann darüber hinaus zur Orientierung für an

Gicht erkrankte Patienten und deren Angehörigen dienen.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als

1.500 Mitgliedern die größte medizinische Fachgesellschaft in Deutschland

im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert seit mehr als 80 Jahren

die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in

Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und

ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.

Quelle: IDW