Folsäure gehört zu den B-Vitaminen. Für den menschlichen Organismus ist das Vitamin lebensnotwendig. Da es vom Körper nicht selbst gebildet werden kann, muss eine Zufuhr von außen erfolgen. Doch die Aufnahme über die Nahrung ist oft unzureichend. Deshalb kann ein Mangel an Folsäure in der Schwangerschaft und Stillzeit zu schwerwiegenden Folgen in der Entwicklung des Kindes führen. Da der Vitalstoff an der Bildung der DNA beteiligt ist, können bei einem Erwachsenen Störungen in der Zellteilung, bei Wachstums- und Heilungsprozessen auftreten.

Das essentielle Vitamin wird über die Zellen der Darmschleimhaut aufgenommen. Dabei ist das Folsäuremolekül auf Folat als Transportprotein angewiesen. Bei Bedarf transportiert es das Molekül ins Blut und zur Speicherung in die Zellen. Ein Leberenzym ist darin behilflich, das aufgenommene Vitamin in eine für den Körper nutzbare Form umzuwandeln, die als Tetrahydrofolsäure bezeichnet wird.
Als Tagesmenge werden 200 Mikrogramm Folsäure empfohlen. Frauen mit Kinderwunsch sollten 550 Mikrogramm täglich zu sich nehmen. Als therapeutische Dosis in der Prophylaxe von Schlaganfällen werden 800 Mikrogramm verordnet. Zwischen 12 und 15 Milligramm Folsäure kann der Mensch maximal speichern. Diese Vitaminmenge entspricht einem Vorrat von 3 bis 4 Monaten. Der Normalbereich im Blutserum beträgt zwischen 5 und 20 Mikrogramm/Liter.
Betroffene mit einem Folsäuremangel sind blass und beschreiben Symptome wie Haarausfall, Hautprobleme, Appetitlosigkeit, Vergesslichkeit und Stimmungsschwankungen. In labormedizinischen Untersuchungen zeigt sich zuerst ein Absinken des Blutserumspiegels und im späteren Verlauf eine Anämie. Es kann zur Rückbildung der Schleimhäute im Uro-Genital-Bereich und im Magen-Darm-Trakt kommen. Ein erhöhter Alkoholkonsum, Erkrankungen von Leber und Dünndarm, sowie die Einnahme bestimmter Medikamente und Verhütungsmittel können einen Folsäuremangel zur Folge haben. Sollten Vitamin C und B12, Eisen und Zink im Körper bereits reduziert vorliegen, kann die Entwicklung eines Folsäuremangels dadurch beschleunigt werden.
Tritt eine unzureichende Zufuhr an Folsäure in der Schwangerschaft auf, sind in den ersten 3 Wochen der Embryonalentwicklung Fehlbildungen des Neuralrohrs wie Spina bifida und Anenzaphalie begünstigt. In Deutschland werden pro Jahr etwa 800 Kinder mit einem Neuralrohrdefekt geboren. Eine Beimengungspflicht von Folsäure in Lebensmitteln ist aus Sicht der Verantwortlichen nicht erforderlich. In den USA und Kanada ist ein Zusatz von Folsäure in Getreideerzeugnissen gesetzlich vorgeschrieben. Hier konnten die embryonalen Defekte durch einen Folsäuremangel um die Hälfte reduziert werden. Doch ein Mangel an Folsäure begünstigt auch Frühgeburten, ist an der Entstehung von angeborenen Herzfehlern und der Sprachentwicklung des Kindes beteiligt. Norwegische Wissenschaftler konnten einen Zusammenhang von Vitaminmangel und Autismus nachweisen.
Untersuchungen zeigen, dass selbst bei einer ausgewogenen Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten die benötigte Tagesmenge nicht ausreichen kann. Denn das Vitamin erweist sich als sehr licht- und hitzeempfindlich. Auch eine längere Lagerung führt zu hohen Verlusten. Trotzdem ist eine folsäurereiche Ernährung unerlässlich. Viel Folsäureenthalten (Wild)Kräuter und grüne Blattgemüse wie Salate, Petersilie, Spinat und Mangold. Das gleiche gilt für grüne Kohlgemüse wie Wirsing, Brokkoli und Grünkohl. Avocado enthält den essentiellen Vitalstoff. Erdbeeren, Brombeeren, Orangen, Mangos, Sauerkirschen, Trauben, Weizenkeime, Hefe, Hülsenfrüchte, Hasel- und Walnüsse, sowie Rinder- und Kalbsleber sind zur Versorgung mit Folsäure empfehlenswert.
Eine Nahrungsergänzung des Vitamins sollte bei einem nachgewiesenen Mangel nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da der Vitalstoff die Wirksamkeit bestimmter Medikamente reduzieren kann. Dazu gehören Zytostatika und Antiepileptika.

Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten zunächst den Serumspiegel ihrer Folsäure prüfen lassen, diesen bei einem bestehenden Mangel ausgleichen und anschließend schwanger werden. Dieses Vorgehen kann das Risiko eines embryonalen Neuralrohrdefektes um ein Vielfaches minimieren.