Ob für Blutdruck, Cholesterin oder Blutzucker: Referenzwerte sind wichtige

Orientierungspunkte in der ärztlichen Praxis, denn sie können auf
bestimmte Risiken und Krankheiten hinweisen, zum Beispiel auf
Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Für Erwachsene
liegen solche Vergleichswerte umfangreich vor und gehören standardmäßig
zur medizinischen Untersuchung – nicht aber bei Kindern. Diese Lücke will
der Sonderband der international renommierten Fachzeitschrift
„International Journal of Obesity“ (IJO-Supplement) schließen, der jetzt
erscheinen wird. Die dort veröffentlichten medizinischen Referenzwerte für
Kinder leiten sich von Daten des EU-Projekts IDEFICS ab.

Ob für Blutdruck, Cholesterin oder Blutzucker: Referenzwerte, die auf
Risiken und Krankheiten hinweisen, liegen für Erwachsene umfangreich vor.
Für Kinder fehlten bislang jedoch viele solcher Vergleichswerte. Diese
Lücke will der neue Sonderband der Fachzeitschrift „International Journal
of Obesity“ zu medizinischen Referenzwerten bei Kindern schließen. Die
Werte leiten sich von Daten des EU-Projekts IDEFICS ab, der bislang
größten Studie zur Erforschung von lebensstil- und ernährungsbedingten
Erkrankungen bei Kindern, die das Leibniz-Institut für
Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS gemeinsam mit der
Universität Bremen koordinierte.

Referenzwerte sind wichtige Orientierungspunkte in der ärztlichen Praxis.
Sie werden bei Erwachsenen standardmäßig genutzt, um
Untersuchungsergebnisse zu beurteilen und therapeutische Entscheidungen zu
treffen. Bei Kindern ist dies eher die Ausnahme: Außer den klassischen
anthropometrischen Referenzwerten wie für Kopfumfang, Körpergewicht und
-größe sowie Body-Mass-Index (BMI) fehlen Kinderärztinnen und -ärzten
bislang insbesondere klinische Vergleichswerte, anhand derer sie
beispielsweise das Risiko für spätere Herz-Kreislauferkrankungen
beurteilen oder Frühstadien von Diabetes erkennen können. Ohne dieses
Wissen ist eine frühzeitige und gezielte Intervention zur Vermeidung von
dauerhaften Schäden bei Kindern mit erhöhtem Erkrankungsrisiko nicht
möglich.

Referenzwerte für Kinder und Jugendliche zu bestimmen, ist komplexer als
für Erwachsene, da entwicklungsbedingte Veränderungen berücksichtigt
werden müssen. Ein verlässliches Referenzsystem kann nur entstehen, wenn
eine große gesunde Population vorhanden ist, bei der die
gesundheitsrelevanten Werte mit standardisierten und qualitätsgesicherten
Verfahren für jede Altersgruppe bestimmt werden. Die IDEFICS-Studie, in
der gesundheitsrelevante Werte bei mehr als 18.000 zwei- bis elfjährigen
Kindern gemessen wurden, hat hierfür die ideale Datengrundlage geboten.
Mit der Veröffentlichung im neuen Sonderband der international
renommierten Fachzeitschrift „International Journal of Obesity“ (IJO-
Supplement), gefördert von der VolkswagenStiftung, stehen die
Referenzwerte wichtiger medizinischer Parameter für Kinder nun auch der
kinderärztlichen Praxis zur Verfügung.

Im IJO-Supplement sind unter anderem Referenzwerte zu anthropometrischen
Größen wie Hautfaltendicke, Nacken- und Hüftumfang, zu Insulin und
Glucose, zu Blutlipiden, Cholesterin, Knochensteifigkeit und zum Blutdruck
für die Altersstufen von zwei bis elf Jahren aufgeführt. Bei den
Referenzwerten für die Knochensteifigkeit und den Blutdruck wird neben dem
Alter und dem Geschlecht auch die Größe des Kindes berücksichtigt.
Insbesondere für die Identifizierung von Stoffwechselstörungen bieten
diese Referenzwerte eine hervorragende Grundlage.

Professor Wolfgang Ahrens, Koordinator der IDEFICS-Studie und Leiter der
Abteilung „Epidemiologische Methoden und Ursachenforschung“ am BIPS,
erklärt: „Wir freuen uns, die ärztliche Diagnostik und Behandlung von
Kindern mit den neu berechneten Referenzwerten zu verbessern. Besonders
ist hierbei: Die Referenzwerte sind nicht nur für Deutschland, sondern
auch für ganz Europa und darüber hinaus relevant, da wir bei der
Berechnung auf Daten der IDEFICS-Studie aus acht europäischen Ländern
zurückgreifen konnten.“

Publikation:
Obesity determinants and reference standards for health parameters in pre-
adolescent European children: Results from the IDEFICS study. Int J Obes;
Vol 38 (Issue S2), September 2014. Online abrufbar unter
http://www.nature.com/ijo/journal/v38/n2s/index.html

Vortragsveranstaltung zum IJO-Supplement:
Am 26. September referieren internationale und nationale Expertinnen und
Experten im Schloss Herrenhausen in Hannover über die Bedeutung von
Referenzwerten bei Kindern – auf Einladung der VolkswagenStiftung und des
Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS. Der
Eintritt ist frei, eine Teilnahme ist noch möglich. Informationen zur
Veranstaltung finden Sie unter
http://www.volkswagenstiftung.de/nc/veranstaltungen/veranstdet/ttback/41/article
/ueber-die-bedeutung-von-referenzwerten-fuer-die-kindliche-gesundheit.html

Weitere Informationen:
Website zur IDEFICS-Studie: http://www.ideficsstudy.eu

Quelle: IDW