Neuherberg,16.06.2014. Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat

in einer Analyse mehrerer Genom-Studien sechs Genregionen identifiziert,

die mit der Funktion der Lunge in Zusammenhang stehen. Ihre Ergebnisse

wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift ‚Nature Genetics‘

veröffentlicht.
In ihren Untersuchungen, so genannten Genom-weiten Assoziationsstudien,

verglich das Forscherteam das genetische Profil der Studienteilnehmer mit

der forcierten Vitalkapazität (FVC), einem Volumen-Parameter der

Lungenfunktion. Sechs Genorte zeigten dabei eine deutliche Assoziation mit

FVC-Werten. Für diese Gene wird außerdem eine Beteiligung an der

Lungenentwicklung bzw. bestimmten Lungenerkrankungen vermutet.

Besseres Verständnis für den Zusammenhang von Genen, Lungenfunktion und

Lungenerkrankungen

Die identifizierten Gene eröffnen neue molekularbiologische Ansätze, um

die Entwicklung der Lunge sowie Heilungs- und Umbauprozesse bei der

Krankheitsentstehung besser zu verstehen. „Die Ergebnisse liefern die

Grundlage, um Lungenerkrankungen detailliert zu erforschen und den

Zusammenhang von Genetik, Lungenfunktion und Anfälligkeit für

Atemwegserkrankungen aufzuklären“, sagt Prof. Dr. Holger Schulz, Leiter

der Arbeitsgruppe Lungenepidemiologie am Helmholtz Zentrum München (HMGU).

„Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse können wir beispielsweise

mögliche Risikogruppen identifizieren und neue therapeutische Ansätze

entwickeln“, fügt Dr. Christian Gieger (HMGU) hinzu.

Umfassende Genomanalyse: über 85.000 Teilnehmer aus 35 Studien

Das Team von internationalen Wissenschaftlern – unter der Leitung des US-

amerikanischen National Institute of Environmental Health Sciences –

analysierte die Daten von insgesamt 85.170 Teilnehmern aus 35

Studienkohorten. Darunter fanden sich auch Teilnehmer der deutschen KORA-

Studien*, deren Auswertung durch Wissenschaftler des HMGU erfolgte.

Beteiligt waren dabei die Institute für Epidemiologie I und II (EPI I, EPI

II), das Institut für Genetische Epidemiologie (IGE) sowie das

Comprehensive Pneumology Center (CPC) am HMGU.
Lungenerkrankungen gehören weltweit zu den führenden Todesursachen. Bei

ihrer Entstehung spielen Genetik, Lebensstil und Umweltfaktoren eine

Rolle. Als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt liegt der

Schwerpunkt des HMGU auf den großen Volkskrankheiten. Ziel ist es, neue

Ansätze für Diagnostik, Therapie und Prävention zu entwickeln.
Weitere Informationen
* KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg)

Seit über 20 Jahren wird in der international bekannten KORA-Studie die

Gesundheit tausender Bürger aus dem Raum Augsburg untersucht, um die

Auswirkungen von Umweltfaktoren, Verhalten und Genen zu erforschen.

Kernthemen der KORA-Studien sind Fragen zu Entstehung und Verlauf von

chronischen Erkrankungen, insbesondere Herzinfarkt und Diabetes mellitus.

Hierzu werden Risikofaktoren aus dem Bereich des Gesundheitsverhaltens

(u.a. Rauchen, Ernährung, Bewegung), der Umweltfaktoren (u.a.

Luftverschmutzung, Lärm) und der Genetik erforscht. Aus Sicht der

Versorgungsforschung werden Fragen der Inanspruchnahme und Kosten der

Gesundheitsversorgung untersucht (www.helmholtz-muenchen.de/kora).
Original-Publikation:

Loth, D. et al. (2014): Genome-wide association analysis identifies six

new loci associated with forced vital capacity, Nature Genetics (2014). |

doi:10.1038/ng.3011

Quelle: IDW