Zellersatz, Telemedizin, patientengeführte elektronische Akten, Bekämpfung

von multiresistenten Erregern und eine bessere Wahrnehmung und Versorgung
von psychischen Erkrankungen: Diese Schwerpunkte haben die
„Gesundheitsregionen der Zukunft“. Im Rahmen der gleichnamigen Initiative
fördert das BMBF fünf Regionen, in denen mit Hilfe von Netzwerken die
medizinische Versorgung verbessert und Innovationspotenziale genutzt
werden sollen. Wissenschaftlich begleitet werden diese sowie weitere
Regionen vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
und dem Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement der Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürnberg.

Mit der Initiative „Gesundheitsregionen der Zukunft“ fördert das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit 2009 in fünf
Regionen den Aufbau regionaler Netzwerke mit allen am Innovationsprozess
beteiligten Akteuren aus Wissenschaft und Praxis. Dazu gehören Ärztinnen
und Ärzte, Krankenhäuser, Patientenverbände und Hersteller von
Medizintechnik. Ziele dieser Netzwerke sind eine verbesserte medizinische
Versorgung, die Aktivierung von Innovations- und Forschungspotenzialen der
Regionen sowie die nachhaltige Stärkung regionaler
gesundheitswirtschaftlicher Wertschöpfungsketten.

Die fünf geförderten Gesundheitsregionen konzentrieren sich auf
unterschiedliche Themen: In Stuttgart wird im Rahmen eines Projekts zur
regenerativen Medizin Zell- und Gewebeersatz entwickelt (REGiNA), im
strukturschwachen ländlichen Raum Nordbrandenburgs wird die
telemedizinische Versorgung von Herz-Kreislauf-Kranken erforscht
(FONTANE), an der Ostseeküste liegt der Fokus auf der Bekämpfung
multiresistenter Erreger (HICARE), in Hamburg steht die bessere Versorgung
bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Essstörungen in
Mittelpunkt (psychenet), und im Rhein-Neckar-Raum wird eine
patientengeführte elektronische Akte für an Darmkrebs und Diabetes
erkrankte Menschen entwickelt (INFOPAT).

Wissenschaftlich begleitet werden die fünf geförderten sowie sechs weitere
nicht-geförderte Gesundheitsregionen des Wettbewerbs durch ein Team des
Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI sowie des
Lehrstuhls für Gesundheitsmanagement der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg.

Diese wissenschaftliche Begleitforschung soll die Regionen unter anderem
bei der nachhaltigen Umsetzung ihrer Innovationen unterstützen. Dr. Tanja
Bratan, Projektmitarbeiterin am Fraunhofer ISI, nennt Beispiele für diese
Unterstützung: „Wir bereiten für die Regionen Informationen zu wichtigen
Themen auf, beispielsweise zu Möglichkeiten der Finanzierung nach dem Ende
der BMBF-Förderung oder der Kommunikation mit verschiedenen Zielgruppen.
Weiterhin führen wir Workshops durch, die sowohl der Vermittlung von
Informationen als auch dem Austausch zwischen den Regionen dienen.“

Im Rahmen der Begleitforschung haben die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler unter anderem gemeinsam mit Vertretern der Regionen die
Frage untersucht, wie Innovationen in einem komplexen, regulierten System
in die Regelversorgung gebracht werden können. Hier wurde ein wesentlicher
Zielkonflikt deutlich: Da die Krankenkassen die Erhebung von
Zusatzbeiträgen möglichst vermeiden müssen, findet ihre Planung
hauptsächlich im Ein-Jahres-Rahmen statt. Die Refinanzierung von
Innovationen benötigt jedoch mehrere Jahre, da Wirkungen auf die
Gesundheit erst längerfristig zum Tragen kommen. Durch die kurzfristig
angelegte Planung ist es also für Krankenkassen schwierig, in Innovationen
zu investieren, die sich erst langfristig entwickeln. Dies ist sowohl für
Krankenkassen als auch für innovative Regionen unbefriedigend. Um diese
Situation etwas zu lindern, müssten von Anfang an gemeinsame Konzepte
erarbeitet werden, in denen die Kosten verteilt werden.

Tanja Bratan betont jedoch: „Für die Integration von Innovationen in die
Regelversorgung ist nicht allein die finanzielle Sicherung relevant.
Weitere wichtige Themen für die Gesundheitsregionen sind die langfristig
angelegte Struktur und Kapazität der Netzwerke, die Unterstützung durch
die Politik vor Ort sowie die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde
regionale Bedarfe.“

Oberstes Ziel der Begleitforschung ist es, in den „Gesundheitsregionen der
Zukunft“ nachhaltige Strukturen und Projektergebnisse zu erzielen, die
nach dem Ende der Projektförderung weiterbestehen − beispielsweise in Form
von Stiftungen − und auch auf andere Regionen übertragen werden können.

Weitere Informationen zur Initiative „Gesundheitsregionen der Zukunft“
gibt es unter <www.bmbf.de/de/12547.php>, Näheres zur wissenschaftlichen
Begleitforschung unter .

Quelle: IDW